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Bündnis 90/DIE GRÜNEN

Kreisverband Regen

Mahnwache zum 40.ten Jahrestag der Katastrophe in Tschernobyl

Atomkraft ist und bleibt ein Auslaufmodell

11.05.26 –

40 Jahre sind eine lange Zeit im Leben eines Menschen.

Zeit genug, um zu vergessen?

Zeit genug, um zu verkünden, dass wir heute alles besser wissen, die Folgen vielleicht überwunden sind? - Mit diesen Worten leitete Susanne Keilhauer ihre nachdenklichen Worte zum Reaktorunglück in Tschernobyl ein, dessen Folgen noch heute und weit darüber hinaus nachwirken.

Es war für uns kein erlebbares Ereignis, kein räumlich abgrenzbares, aber Bilder, die bis heute verstören, ein Krieg ohne Feind. Mit der Zeit kann man mit Vergessen spekulieren, mit einem Ausstieg vom Ausstieg. Es geht aber um einen anderen Umgang mit Energie, eine menschen- und naturfreundliche Nachhaltigkeit in der Erzeugung und im Verbrauch. Die Bilder und das Gedenken sollen uns nicht verstören, sondern auffordern unser Verhalten und unsere Art der Energieerzeugung zu verändern.

 

Aktuell werden immer mehr Stimmen laut, die Atomkraft wieder reaktivieren wollen, uns „neue“ Lösungen vorschlagen mit dem Tenor, alle Probleme seien gelöst und wir können wieder darauf bauen. Aber dem ist nicht so, wie Stadtrat Martin Lippl anschließend anschaulich erläutert.

Eine Wiederinbetriebnahme ist technisch und ökonomisch ausgeschlossen, auch die ehemaligen Betreiber wollen sie nicht, der Rückbau ist bereits in vollem Gange. Neue AKW sind auch keine Lösung gegen die Klimaüberhitzung, denn sie kommen zu spät, der Bau dauert zu lange und wir haben die Fachleute nicht, um die notwendige Anzahl an Atomkraftwerken zu bauen. Weiter führt Stadtrat Lippl aus: Die Endlagerung ist nach wie vor nicht gelöst und wenn bei uns ein geeigneter Ort gefunden würde, wollen wir dann im Bayerischen Wald ein Endlager? Wäre das nun alles kein Problem, dann stellt sich immer noch die Frage, warum sollen wir Atomkraftwerke bauen, dessen Strom uns ein Vielfaches kostet als der Strom aus den Erneuerbaren, auch wenn wir Batterien mit nutzen. Atomstrom kostet bis zu 50Cent/kWh, die Erneuerbaren gibt es schon ab 5Cent. Weltweit gibt es keine Renaissance, nur Absichtserklärungen. Es gibt niemand, der es finanzieren will. Nur wenn der Steuerzahler für alles haftet, den Müll übernimmt und ein garantierter Preis für die Energie bezahlt wird, rechnet es sich für einen Betreiber. Die Erneuerbaren hingegen explodieren weltweit, nur Deutschland bremst.

Was will Söder, er träumt von Transmutation, von Small Modular Reactors (SMR), vielen kleinen Reaktoren und einem Fusionskraftwerk. Stadtrat Lippl zerpflückt die Träume einen nach dem anderen.

Erstmal zur Transmutation: Das ist eine alte Idee, die schon Jahrzehnte erforscht wird. Der Atommüll soll in seine verschiedenen Bestandteile zerlegt werden. Dazu bräuchte man 15-25 Anlagen wie eine davon damals in Wackersdorf geplant war. Diese brauchen dann immer noch 150-500 Jahre, bis der ganze Atommüll verarbeitet sein wird. Aber nur ein Teil davon kann wieder verwendet werden. Die langlebigsten Bestandteile bleiben nach wie vor übrig und müssen 1Mio Jahre gelagert werden. Der Rest strahlt dafür nicht mehr so lange, wird aber in der Menge viel mehr und man bekommt hochreines waffenfähiges Material für Atombomben.

Weiter zu den SMR, viele kleine Atomreaktoren in allen Winkeln Deutschlands. Wollen wird das? Jedes davon potenziert das Risiko, jedes muss gesichert und bewacht werden? Auch mit diesen SMRs wird kein einziges Problem der großen AKW behoben, sie sind ähnlich risikobehaftet. Es müssen mindestens 3000 Stück gebaut werden, damit die Kosten sinken, vollkommen illusorisch. Aktuell laufen 3 Prototypen weltweit. Alle geplanten oder im Bau befindlichen Projekte verteuerten sich von der Schätzung zum Bau um das 5-10fache und sind teils doppelt so teuer wie dir großen AKW, im Verhältnis zur Leistung. Die Europäische Investitionsbank soll auf Druck der Politik Geld dafür geben, obwohl der Bank selbst das Risiko zu hoch ist.

Und nun zur Kernfusion: Zu teuer, die Kosten lassen sich noch nicht mal abschätzen, da die Kernfusion technisch hoch komplex ist und es noch keine realisierte Umsetzung gibt.

Zu kompliziert, die physikalischen Prozesse sind zwar nun weitgehend verstanden, es scheitert aber an der praktischen Umsetzung. Es fehlen z.B. kraftwerkstaugliche Materialien, die der Belastung Stand halten, sie müssen erst noch entwickelt werden

Zu spät, sie befindet sich nach wie vor im Forschungsstadium und ist weit davon entfernt, Energie zu liefern. Bis jetzt muss mehr Energie zugesetzt werden als gewonnen wird.

Erste Versuchsreaktoren sollen in den 10-30 Jahren fertig sein, wenn man die Probleme lösen kann. Das wird aber nun schon seit Jahrzehnten behauptet und wir sind immer genauso weit davon entfernt. Dem Klima nützt das nichts mehr.

Stadtrat Lippls Fazit:

Wieso viel Geld ausgeben für eine Technik, die zu spät kommt, wenn wir alle Lösungen, die viel billiger und ungefährlich sind, bereits auf dem Tisch haben und sie nur konsequent einsetzen müssen. Egal welches Konzept der Atomkraft man betrachtet, die Umsetzung ist zu langsam im Bau, zu gefährlich im Betrieb, zu teuer in der Entsorgung und sie passen nicht zu den Erneuerbaren, da sie nicht flexibel und schnell steuerbar sind. Die Lagerung des Atommülls ist nach wie vor nicht gelöst. Die Abhängigkeit von autokratischen Staaten verfestigt sich und Uran ist endlich. Atomkraft ist und bleibt ein Auslaufmodell, das nur mit staatlichen Hilfen existiert.

 

Die Kernfusion, die Transmutation und die SMR dienen aktuell nur als Argument, um nichts an unserem schädlichen Verhalten ändern zu müssen und die Gewinne der Konzerne bei einer zentralen fossilen Energieversorgung weiter zu sichern. Wenn wir die Erneuerbaren schnell dezentral ausbauen, bekommen wir eine billige, gesunde Energieversorgung, die unsere Zukunft auf unserem Planeten sichert, damit schließt Stadtrat Lippl seine Ausführungen.

 

Am Ende der Veranstaltung meldet sich noch Dr. Martin Kestel zu Wort, der einen Rückblick mit einem zukunftsweisenden Szenario verbindet.

Dr. Kestel berichtet, er habe das zynische Geschäftsmodell der Kernkraftwerksbetreiber seit 1956 recherchiert, bei dem die erheblichen Risiken und Kosten auf der Allgemeinheit lasten, die Gewinne jedoch bei den Betreibern und deren Aktionären landen. Allein von 2002 bis 2010 waren das 100 Milliarden € Gewinn. Geschätzt 170 Milliarden € fehlen aber allein bei der Endlagerung bis 2100, die die Steuerzahler tragen werden müssen.

Weiterhin habe er dann den Spieß mal umgedreht und das KI-Modell "Claude" recherchieren lassen, welcher Invest für eine Energieautarkie von Zwiesel nötig wäre (Grössenordnung 80 Mio €) und welche Nettorendite (mehrere Mio € pro Jahr) zu erwarten wären, bei einer geschätzten Amortisationszeit von 13 Jahren. Falls wir nichts unternehmen, schätzt das Modell für den Zeitraum bis zur Amortisation (2024 bis 2040) reine Kosten von ca. 300 Mio € nur für Zwiesel ab. Das "Weiter so" kostet somit locker das dreifache von einer real machbaren Autarkie im gleichen Zeitraum. Die 300 Mio € fließen direkt ab, wo sie im anderen Fall durchaus in der Region bleiben könnten. Andere Gemeinden machen es vor, diese müssen nicht jeden 10.000er umdrehen und um Förderungen betteln gehen, sie haben nahezu energetische Autarkie und finanzielle Unabhängigkeit erreicht. 

Dr. Kestel schließt mit dem Ausblick, dass der Kraftakt mit 80 Mio € sicherlich nicht in einem Schritt realisierbar sei, das Gedankenspiel der KI zeige jedoch deutlich einen Weg, der zunächst in kleineren und später in größeren Schritten gegangen werden könnte.

 

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